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Erfahrungsberichte, die DIAA erreicht haben



Bericht aus der Arbeitswelt der Medienschaffenden                       Anm.d.Red.


Ein Betroffener berichtet:

Heute finde ich endlich einmal etwas Zeit ausführlicher über meine Situation und die meiner Kollegen zu schreiben.

Zahlen und Fakten in diesem Text entstammen allein meinen persönlichen Erfahrungen und den Erzählungen anderer.

Als ich beschloß mit Kamera und Filmrolle mein Geld zu verdienen waren die 90er gerade vorbei. Die Fernsehbranche hatte den großen Boom hinter sich. Überall mangelte es an willigen Arbeitskräften. Zum Teil verdiente man als Redakteur 6000 Brutto im Monat. Und das Beste daran: Jeder konnte Das werden. Mit wenigen Ausnahmen hat keiner meiner bisherigen Chefs einen klaren Berufsweg oder ein abgeschlossenes Studium. Viele haben nicht mal eine Ausbildung. "Film und Fernsehen lernt man, indem man es macht!" Das ist bis heute das Motto der Meisten in dieser Branche.

Dennoch sprossen Ende der 90er Studiengänge und ganze Akademien wie Pilze aus dem Boden. "Ich will mal was mit Medien machen!" war und ist die neue Berufsperspektive vieler Schulabgänger. Ein gefundenes Fressen für schwächelnde, geisteswissenschaftliche Fakultäten und schlaue Geschäftsleute.
"Ich will mal was mit Medien machen!" Nicht gerade präzise dieser Berufswunsch werden Sie jetzt sagen... Womit wir beim Kern der Problematik Arbeitsmarkt Medien und speziell Fernsehen sind.
Anders als in den meisten PrintRedaktionen mangelt es dem Fernsehen und teilweise auch dem Film an einer klaren Aufgabensruktur, die es zuließe verschiedenen Mitarbeitern verschiedene Berufe und Tätigkeiten zuzuordnen, die wiederum vom Nachwuchs erlernt werden könnten. Journalisten, die von renommierten Journalistenschulen kommen, werden automatisch als solche anerkennt. Nur weil jemand Regie, Kamera oder Produktion studiert oder gelernt hat, heißt es noch lange nicht, dass er auch in diesem Beruf arbeiten kann. Die vorherrschende Meinung "Film und Fernsehen lernt man, indem man es macht!", die vor allem in den Köpfen vieler Entscheider besteht, hindert viele junge, gut ausgebildete Talente daran in angemessenen Positionen Arbeit zu finden. Dazu kommt noch die schlechte Transparenz dieser Branche.

Grundsätzlich ist allgemein bekannt, wie man Arzt, Tischlermeister, Koch oder Bankkaufmann wird. Zumindest wissen die, die es werden wollen, was sie dafür tun müssen. Die, die "mal was mit Medien machen wollen" und damit häufig das Fernsehen meinen, wissen nicht, welche Tätigkeitsfelder es gibt. Die meisten Fernsehkonsumenten wissen ja nicht einmal, dass die ihnen vertrauten Sender nur noch ein Bruchteil dessen, was da so jeden Tag über die Mattscheibe flimmert, selbst herstellen. Produktionsfirmen gibt es seit es das private Fernsehen gibt und es werden immer mehr. Dennoch verstecken Sie sich hartnäckig. Warum das so ist, dazu später mehr.

Zurück zu unseren "Fernsehberufen". Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Aufnahme- und einem Produktionsleiter. Was ist er Unterschied zwischen einer Produktionsassistenz und dem Assistenten der Produktionsleitung? Was ist ein Angler, was ein Gripper und was ist der Unterschied zwischen einem Production Designer und einem Szenenbildner?
Das Problem ist, dass dem willigen Nachwuchs diese Begriffe, wenn er Glück hat im Studium, in der Regel aber erst beim ersten Job um die Ohren fliegen. Um sich wirklich für das zu qualifizieren, was einen am meisten interessiert, viel zu spät.
Die Tatsache, dass bei vielen Produktionen nicht mal alle Gewerke besetzt sind und dadurch einzelne Tätigkeitsfelder auf andere verschoben werden macht die Orientierung, und nicht zuletzt auch das Bewerben nicht leichter.

In den Köpfen der meisten Menschen hat meiner Erfahrung nach die Medienbranche vorrangig etwas mit Kreativität, Selbstverwirklichung und freier Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und Ideen zu tun. Das mag so gewesen sein, als sechs Mutige das ZDF gründeten, oder Helmut Thoma sich mit RTL ganz an die Spitze setzte. Heute hört man auf jede Idee "dafür haben wir kein Budget" oder "viel zu riskant". Vor allem das Fernsehen ist zur billigen Massenproduktion verkommen, was nicht nur Auswirkungen auf die Qualität der Sendungen, sondern vor allem auf die Arbeitssituation derer hat, die es herstellen.

Hat man sich als "Ich will mal was mit Medien machen"-Kandidat so weit eben möglich mit der Branche befasst und sich durch Einen der passenden oder unpassenden Studiengänge gekämpft, beginnt das Drama Praktikum.
Viele der Hochschulabgänger haben wenig Praxis. Sie haben bis zum unvermeidlichen ersten Praktikum nie eine Kamera in der Hand gehabt oder eine Redaktion, geschweige denn ein Studio von innen gesehen. Immer haben sie auf die vermeintlich schillernde Scheinwelt zugearbeitet. Die Bauchlandung auf dem harten Boden der Realität fällt härter aus, je weiter das Studienfach von der Branche entfernt ist. Denn unter Fernsehanwärtern finden sich nicht nur Journalisten, Germanisten oder andere Sprachwissenschaftler. Vom Philosophen über den Ernährungswissenschaftler bis zum Mathematiker ist alles dabei. Motivation ist da selten der konkrete Wunsch Produktionsleiter oder Regisseur zu werden. Vielmehr lockt die, in der Realität nur oberflächlich vorhandene, Möglichkeit etwas besonderes zu sein. Den Stars und Sternchen näher zu kommen und seinen Namen einmal, zum Beispiel bei Pro 7, im Abspann zu lesen.

Als medienspezialisierter Akademiker kommt man da in eine Situation, die nicht nur frustrierend, sondern auch existenzgefährdent sein kann. Das Stichwort heißt "Generation Praktikum"!
Denn neben all den oben genannten sicher begabten und motivierten Akademikern steht auch eine nicht ganz unerhebliche Zahl von Akademikern dem Markt zu Verfügung, die nach dem Studium durchaus wissen, was eine Kamera ist und wie ein Studio von innen aussieht. Denn einige, der weiter oben erwähnten Akademien, haben ein interessantes Konzept entwickelt. Statt Professoren unterrichten hier Dozenten aus der Medienwirtschaft. Studenten drehen eigene Filme, entwickeln Imagekampangen für reale Unternehmen und knüpfen schon während des Studiums Kontakte zu Produktionsfirmen und freien Mitarbeitern. Vitamin B, das im späteren Berufsleben wertvoller sein kann als Gold.

Nun kann man an meinen Ausführungen sicher erkennen, dass es ein großes Überangebot an willigen jungen Arbeitskräften gibt. Und da man Film und Fernsehen lernt, indem man es macht, bekommt jeder, der halbwegs gut aussieht und einen geraden Satz heraus bekommt erst mal eine Chance. Er darf ein Praktikum machen.

Dieses Angebot - "Du kannst erst mal ein Praktikum machen, dann sehen wir weiter..." - ist aber nicht nur eine Chance um in die Branche hinein zu kommen, es ist auch ein Fluch. Denn Praktikanten sind billig, wenn nicht sogar kostenlos. Der Durchschnittslohn für einen Fernsehpraktikanten bei einer 60 - 70 Stunden Woche liegt bei 250 - 500 EURO im Monat. Lohnnebenkosten werden noch abgezogen, oder von Studenten selbst getragen. Häufig müssen Praktikanten für die Zeit des Praktikums in andere Städte ziehen und so etwas wie Reisekostenabrechnungen und Spesen bei häufigen Außendreharbeiten oder "Dienstreisen" stehen Praktikanten im Regelfall grundsätzlich nicht zu.

Wenn man nun als medienspezifisch ausgebildeter Akademiker glaubt ohne oder vielleicht mit nur einem Praktikum auszukommen, da man ja das meiste bereits gelernt hat, ist man auf dem Holzweg. Denn was ist besser, als ein Praktikant dem man nur noch 10 % erklären muss, oder den man nach einer kurzen Einarbeitungszeit bereits als vollwertigen Mitarbeiter einsetzen kann?
Diese Praxis wird mittlerweile vom auftraggebenden Sender mit einkalkuliert. Man spart Personalkosten durch weit überqualifizierte Praktikanten. Die Steigerung sind Jahrespraktikanten und Volontäre, die schon nach kurzer Zeit für viele Gewerke einen billigen Ersatz bieten.
Für viele endet das mit einem Lebenslauf mit 6 oder mehr Praktika, bevor einmal ein "richtiger", heißt meist geringfügig besser bezahlter, aber mit einem Titel im Abspann versehener Job auftaucht.

Und selbst, wenn man es dann durch die Anzahl an Referenzen zu einer angemessenen Arbeit gebracht hat, hört die Ausbeutung oft nicht auf.
Die Undurchsichtigkeit der Branche ist mit ein Grund dafür. Jeder will hin und wenn er billig und willig ist bekommt er auch eine Chance. Film und Fernsehschaffende sind nicht organisiert! Sie haben zwar eine Interessensvertretung bei Verdi, greifen aber aus Angst um Ruf und Job nicht darauf zurück. So sind Arbeitszeiten von 10 - 15 Stunden pro Tag bei einem Stundenlohn von 8 bis 15 Euro die Stunde keine Seltenheit. Das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen ist selbstverständlich.

Viele zahlen ihre Lohnnebenkosten als Freischaffende selbst. Dazu kommt die ständige Existenzsorge. Beschäftigungsverhätnisse dauern auf Grund der Projektarbeit selten länger als sechs Monate. Und gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise braucht man eine Menge Vitamin B und Glück um an die Folgeprojekte heran zu kommen.
Eine Situation, der alle ob Akademiker oder nicht gnadenlos ausgesetzt sind und deren Ende noch nicht abzusehen ist.
Für mich als medienspezifischer Akademiker heißt das mit den anderen und gegen die anderen Aushalten (Fernsehen ist Teamwork, nicht selten in Teams, wo Einer dem Anderen der ärgste Konkurrent ist).

Der klare Vorteil, den ich gegenüber Anderen mit meiner Ausbildung habe ist, dass Vorgesetzte auf mein Wissen trotz geringer Erfahrung gerne zurück greifen. So wurde ich bisher aus jedem angefangenen Praktikum in ein tatsächliches Gewerk befördert und erhielt am Ende auch die entsprechende Referenz. Auch wenn dies grundsätzlich ohne Gehaltserhöhung passiert und damit im Grunde Ausbeutung war, habe ich aus jedem dieser Beschäftigungverhältnisse Erfahrungen und Wissen mitgenommen, das es mir hoffentlich ermöglicht zu denjenigen zu gehören, die am Ende des Orkans "Wirtschaftskrise und Fernsehmarktkollaps" noch da sind und auf einem sich langsam neuerfindenden Fernsehmarkt erfolgreich Fuß zu fassen.

Wie ich bis dahin meine Miete bezahle hängt davon ab, wie viel mein Vitamin B momentan wert ist und wie viel Glück ich habe. Von Praktika kann definitiv keiner auf lange Sicht überleben. Nur darum geht es in dieser Branche gerade.





Anmerkung von DIAA:

DIAA ist der Überzeugung: Die Hoffnung "am Ende des Orkans wird sich der Fernsehmarkt neu erfinden" und der Erfahrungsberichtschreiber kann dann erfolgreich Fusz fassen, wird sich nicht erfüllen. Solange es "willige und billige" Menschen gibt, die unbedingt in der Fernsehbrache arbeiten wollen und entsprechend alles in Kauf nehmen; wie soll sich da etwas ändern?





Interesse Ihre Erfahrungen in der Akademischen Arbeitswelt hier zu veröffentlichen?

Schicken Sie uns Ihren Bericht per eMail an erfahrung@diaa.de !





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Anmerkungen der Redaktion


Die Bericht beruht auf Tatsachen, die der Betroffene so erlebt hat.

Der Name ist der Redaktion bekannt!

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Hier kann der Bericht "Bericht aus der Arbeitswelt der Medienschaffenden" im PDF-Format heruntergeladen werden !



(Der Bericht entspricht wörtlich dieser InterNet-Seite, allerdings ohne die Querverweise und Anmerkungen.)

















































































































































































































































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